Das ist nicht die Partei, in die ich mich verliebt habe.

Ein Rant.
Den Titel dieses Posts twitterte  ich am frühen Abend des 11.1.2012 . Ich habe keine Ahnung, warum mich genau dann ein enormes Frustknäuel gepackt und verschlungen hat, aber den Tweet trage ich schon lange mit mir rum.
Ich weiß nicht ob die Piraten sich verändert haben oder ich mich oder ob ich den Laden einfach zu lange von innen gesehen habe. Aber mir reicht’s.

Mich kotzt die Art an, wie wir miteinander umgehen.

tweet: Werden Vorstände bei den #Piraten eigentlich befreit, wenn ihnen ein anderes Parteimitglied ein Kleidungsstück schenkt?
Es scheint als Insiderwitz in der Normalität angekommen zu sein, aber es frustet mich ungemein:
Die Leute, die sich doppelt und dreifach beinahe ausschließlich Ehrenamtlich für die Partei den Arsch aufreißen, werden, egal was sie tun, mit Beschimpfungen, #gates und Zeitfressern bombardiert. Das geht so weit, dass Dinge nicht ausprobiert, Ideen nicht zu Ende gesponnen werden, weil man schon den Shitstorm trapsen hört oder schlicht nicht die Zeit, hat, zusätzlich zum erklärenden Blogpost noch jedem Schreihansel gesondert zu erläutern, was man sich bei seinem Tun eigentlich gedacht hat und was der Scheiß eigentlich soll. Ich habe diesen Satz immer gehasst, weil so viel Ignoranz, Herrschaftswissen und Unfreundlichkeit darin mitschwingt. Aber Leute.
RTFM.
Oder versucht’s zumindestens. Und wenn ihr’s nicht versteht, fragt euren Sitznachbarn. Und wenn der’s auch nicht weiß, wendet euch an den Verantwortlichen und fragt. Das Wort steht kursiv da, weil viel zu viele Piraten scheinbar im Deutschunterricht gepennt haben und nicht wissen, dass eine Frage ein Fragezeichen am Ende hat. Machis sind keine Maschinen, sie sind Menschen mit Privatleben und anderen Betätigungsfeldern und Emotionen. „ICH HABE ABER EIN RECHT DAS JETZT SOFORT ZU ERFAHREN!!1!“ ist nicht nur furchtbar unhöflich, es ist auch demotivierend und wird, oft genug angewandt, dafür sorgen, dass der Empfänger am Ende gar nix mehr macht. Scheiße, wa? Dann gibt’s ja gar nix mehr zu torpedieren. Oder man muss am Ende gar selber ran.
Wir haben komplett unbezahlte Vorstände, deren Arbeit teilweise einen Vollzeitjob ist. Und wir haben nichts besseres zu tun, als sie mit Kleinscheiß zu überschütten, weil wir zu doof oder zu faul sind, erstmal selbst nachzusehen? Oder um zu überlegen ob unsere Politischen Geschäftsführer tatsächlich dem Entenzuchtverein Klein-Diesterwiesel weiterhelfen können– so rein thematisch und von den Kapazitäten her?
Oder wir überschütten sie einfach mal mit Hassmails!
Liebe Piraten, Kritik kann man auch sachlich üben. Und wenn sie einmal vernünftig ausgesprochen wurde, kann man sich drüber freuen und lieber Kekse backen gehen, anstatt sie noch einmal umformuliert an den Kritisierten zu senden. Das hat nämlich drei sehr unangenehme Nebeneffekte:
  1. Du verschwendest nicht nur deine, sondern auch noch die Zeit des anderen.
  2. Der Andere hat weniger Zeit und ab einem gewissen Kontingent an in etwa gleich lautenden und unterschiedlich sachlichen Mails auch weniger Lust, sich die berechtigte Kritik gründlich durch den Kopf gehen zu lassen.
  3. Piraten an exponierten Stellen trauen sich vermehrt nicht mehr, alles auszusprechen oder zu twittern, was sie so denken und finden.

Update: Die SG Shitstorm zeigt, wie’s besser geht. Danke. <3

Und auch innerhalb der Basis wird gekloppt, was das Zeug hält. Was manche Leute sich auf Twitter entgegenwerfen ist haaresträubend, die AKTIVE ist zum Synonym für Mordor verkommen, von der vollkommenen Ignoranz einiger den Gefühlen ihres Gegenübers gegenüber ganz zu schweigen.

Hint: „Das hat mich gerade Verletzt/Das finde ich nicht okay/bitte rede so nicht mit mir“ IST KEIN ZENSURVERSUCH.
Ja. Wir sind keine homogene Gruppe. Mit einigen Piraten könnte ich auch ganze Splatterdrehbücher füllen. Aber verdammt noch mal, wir hängen alle wegen dem selben Programm in diesem Saftladen rum. Können wir uns bitte manchmal darauf besinnen? Können wir uns manchmal eine Beleidigung oder einen Vorwurf zwei mal durch den Kopf gehen lassen, bevor wir ihn abschicken? Ich weiß wie schwer das ist, ich muss es selbst lernen. Aber das ist verdammt schwierig, wenn man das Gefühl hat, zwischen lauter brüllenden Windmühlen zu stehen.

Mich kotzt die Art an, wie wir mit Themen umgehen.

Eigentlich bin ich Pirat geworden, weil ich die pragmatische Art, mit der Themen angegangen wurden, sympathisch fand, und weil es mir gefiel, dass man sich erst gründlich mit einem Thema beschäftigen wollte, bevor man dazu etwas ausgearbeitet hat– das fand ich toll und ich wollte die, die Themen bearbeiten, unterstützen wo ich kann. (und mit Liquid Feedback rumspielen).
Yeah, no, not going to happen.
Wir führen Debatten nicht nur emotional, sondern auch uninformiert. Wir dreschen statt mit Argumenten mit uralt-Polemik und beleidigenden T-Shirts aufeinander ein, wir haben Angst, „Oh Mist, da hattest du recht, das hatte ich noch gar nicht bedacht“ zu sagen. ( Update: ein kleines HowTo bietet Antje Schrupps „Einmaleins des Fehlermachens“.)
Das ist Menschlich. Was mich daran allerdings wirklich stört: Wir tun nichts dagegen. Wir haben es geschafft, eine Shitstorm- und Nelson ( ha-ha, wissenschon)-Kultur hochzuziehen, die sich gewaschen hat, aber Raum für Irrtum und Einsicht zu lassen fällt uns meinem Empfinden nach zunehmends schwer. Das führt dazu, dass man sich viel leichter und lieber an seinen Standpunkt klammert. Was zu emotionaleren und Keulenreicheren Debatten sowie erhärteteren Fronten führt. Halleluja!

Mich kotzt die Art an, wie wir mit der Partei umgehen.

Ich bin nicht gemacht für Machtspielchen. Ich schnalle sie nicht. Diplomatie und Taktik und Social Engineering sind mir fremd und Dinge, die ich sehr mühsam lernen muss. Aber eigentlich wollte ich sie nicht lernen. Ich bin Pirat geworden, weil ich die Partei für aufrichtig und klüngelfremd gehalten habe. Und jetzt? Manipulieren wir uns durch die Landesverbände, lassen politisch unsere Muskeln spielen, um das durchzusetzen, was wir für am besten für die Partei halten, halten „formaljuristisch Korrekt“ für ein lupenreines Argument und wursteln uns gegenseitig so durch. Herzlichen Glückwunsch!
Ja, ich war lange nicht mehr auf einem (breiten) Piratentreffen in Berlin. Vielleicht liegt mein Flauschmangel daran, dass ich Piratenstuff größtenteils über’s internet mache und verfolge. Aber das Internet beinhaltet einen großteil unserer wichtigsten Tools, hier findet enorm viel Parteiarbeit statt. Und ja, ich bin mir dessen bewusst, dass ich mit der Sprache, die ich in diesem Post verwende, genau das tue, was ich kritisiere. Ich weß, dass es auch viele Flauschedinger in unserer Partei gibt. Ich weiß auch, dass ich selbst in letzter Zeit mehr getrollt als gearbeitet habe. Dieses Verhalten ist allerdings exakt aus dem oben beschriebenen Frust entstanden… Katze-Schwanz-Problem, doof.
„Im Meatspace sind die alle viel netter“ ist ein tolles Argument, um Leute an Stammtische zu bekommen. Aber es kann nicht angehen, dass wir nicht in der Lage sind, unsere eigenen Tools, unser Heimspiel, so zu verwenden, dass wir uns anschließend nicht an die Gurgel gehen.
Die Piraten waren meine bisher längste Beziehung. Ich will nicht, dass es schon vorbei ist. So please, can we work it out?

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46 comments Write a comment

    • Lieber Netreaper,
      ich habe keine Lust, mit dir zu Reden, weil du in der Vergangenheit beledigende und sexistische Äußerungen sowohl mir als auch diversen anderen Piraten gegenüber getätigt hast. Du bist insofern „Teil des Problems“, als Verhalten wie deines diesen Rant verursacht hat. Ich bin derzeit nicht in der Lage, dir weiterhin ruhig und sachlich entgegen zu treten.
      Danke.
      Lotte

  1. Vielen Dank! Unter dem Hashtag #Vorstandsgate twittere ich zu dem Frust und dem Ausbrennen der ehrenamtlichen Vollblut-Vorstände in der Piratenpartei. Ich versuche seit kurzem, gegen diese frustrierende Tristesse entbehrungsreicher, ungelöhnter Politik zu arbeiten. Ich will auch nicht, dass in einem halben Jahr die Ex-Vorstände aus der Partei austreten, mit dem Gefühl, sich völlig ausgebrannt und mit Undank überhäuft zu haben. Das wäre auch ein enormer menschlicher Schaden.

    Ich wollte fragen: wie lange geht denn schon deine Beziehung mit der Piratenpartei, dass du so an ihr hängst?

    • Ach, das hat es damit auf sich! Ich stimme dir vollkommen zu, bin aber noch etwas ratlos, was wir konkret (außer mehr Flausch) dagegen tun können. Da ich selber kein Parteiamt bekleide, fehlt mir da wahrscheinlich auch einiges an Innenasicht. Gehe ich richtig in der Annahme, dass du irgendwo im Vorstand sitzt? Wenn ja, wie könnten wir deiner Meinung nach zu einer Verbesserung der Situation beitragen?

      oh, und: am 4.Januar sind’s zwei Jahre geworden. Nicht sonderlich lang, aber eine intensive, aufschlussreiche, spaßige und interessante Zeit.

      • (Lotte:) “Gehe ich richtig in der Annahme, dass du irgendwo im Vorstand sitzt?”

        Auch wenn meine Antwort fast ein halbes Jahr zu spät kommt und ich jetzt eigentlich nur diesen Post lese, um mich daran zu erinnern, wie alles (für mich) angefangen hat und was den Piraten, was dir und was mir in der Zwischenzeit verloren ging:

        Nein, ich war nie in irgendeinem Vorstand bei den Piraten, werde es wahrscheinlich auch nie sein wollen und zu dem Zeitpunkt war ich nicht einmal Mitglied.

  2. Wobei ich sagen muss, dass ich mir – eigentlich sehr zu meinem Missfallen – ein dickes Fell zugelegt habe, und mein Ding durchziehe. Wenn die Piraten beim nächsten LPT mit meiner Arbeit nicht zufrieden sind, oder jemand besseres gefunden haben, dürfen sie gerne diese Person wählen.

    Das viele Geld, der Ruhm und die vielen Sexualpartner, die man im Vorstand dieser Partei dafür ansammelt gönne ich der Person. Wissenschon…

    Wenn ich jedem Shitstorm und jedem #mimimi hinterherrennen würde, käme ich nicht dazu, das zu tun, wofür mich die Piraten gewählt haben. Und das ist mir nun Mal wichtiger.

    Danke für den Beitrag, du sprichst mir aus der Seele.

    Schönen Gruß
    Aleks

  3. Vielen Dank für die offenen und ehrlichen Worte. Ich finde es toll dass du diese momentane Orientierungslosigkeit durch alle Piratenebenen so gut präzise auf den Punkt bringst. Um die möglichen Gründe gibt es diverseste Gründe. Sei es das: Ich hab euch gewählt nun sag ich wohin es egal wobei geht egal wie minoritär das Meinungsbild oder Phrasenbild ist oder auch weil uns twitter, MLs, tumbler, fb und und und erlaubrn ohne örtlich und Frankierungskostende Hemmschwelle erlaubt alles und jede Entscheidung in Frage zu stellen.

    Das kritisieren wirkt oftmals noch rauher aks eh Kritik schon ist, denn sie wird in Bullzeit ausgeschüttet und erfolgt indirekt ohne den Gegenüber ins Gesicht zu blicken. Wir bespucken die digitalen Avatare unserer Abgeordneten mit Egobashing, denn es erfolgt ja keine unmittelbare sichtbare Resonanz. Und wenn doch ist es die euphorische Freude als Potentat und Oerson wahrgenommen zu werden. Egal für welche fiese Grütze oder zu vielfach ùberschüttete Kritik. Es fehlt, wie du schon schriebst an Feedbackregeln. Und zwar von allgemeinen Feedbackregeln für alle. Diese schon rare Form der Netiquette, wie es einst zu AOL Aufbruchzeiten hieß. Aber es ist schwer das einzufordern und zu erreichen. Viel zu leicht ist die Hähme getippt oder der Shitstorm schnell getwittert. Ir denkrn nicht über Reaktionen nach sondern über

  4. denken nur an jetzt Kritik und weg. Was es braucht sind neue Regeln für all die neuen Kommunikationswege die uns erst seit kurzer Zeit fùr fast lau zur Verfügung stehen. Gleichzeitig braucht vielleicht auch jeder profilierte Abgeordnete oder BVV Piratler einen persònlichen Betreuer oder einen besten Freund im harten Wind des Shitstormgewitters der nur ihm persönlich oftmals und dauernd sagt es nicht zu ernst oder zu persönlich zu nehmen. Denn ein Tweet ist ist ein Tweet. Und es ist keine fundierte Meinung oder gepflegter Diskussionsbeitrag. Es sollte an uns in der Badis sein die Jungs und Mädels an den polit. Machtkampfgräben zu unterstützen ihnen den Rücken freizuhalten. Kritik abzufiltern und ihnen Mut zu zusprechen. Einfacb mal darüber nachsinnen, wie wütde es dir selbst damit ergehen. soweit in aller Kürzwürze.

  5. vielen Dank fuer diesen Text vom Herzen -> /me patched Dir Deine rosarote Brille heile, um unsere Triebfeder des idealistischen Illusionsantrieb zu fixxen – #EuphorieRefreshmentNow!

  6. Danke Lotte!

    Aber ich muss Aleks recht geben. Wer eine Aufgabe übernimmt wie ein Vorstandsamt muss eine Eigenschaft haben, die man einfach mitbringt: Mal einen Tag ohne Twitter leben können, beim Shitstorm in die Familie zurückziehen und mal nicht ranten lassen. Leider unterdrücken wir damit diejenigen, die solche Eigenschaften nicht mitbringen… :(

    Daher +1 für deinen Blogpost.

    • Genau, wir halten fähige Leute davon ab, zu kandidieren und tolle Arbeit für unsere Partei zu machen. Und das frustriert mich enorm! Ich glaube/hoffe, dass wir da Luft nach oben haben. Wenn wir menschliche Vorstände wollen, müssen wir aufpassen, dass wir sie nicht selbst in Betonklötze verwandeln. Dieser Lernprozess liegt mir sehr am herzen, auch wenn ich noch recht ratlos bin, wie er von statten gehen soll…

  7. Solche Blogposts sind aber auch keine Lösung sondern Teil des Problems.

    Es ist so, dass es bei zu vielen Leuten online haarig wird. Immer und überall. Das liegt nicht an den Leuten und nicht an der Partei.
    Das ist einfach so.

    Triff Dich mal wirklich mehr im Privatleben, da gibt’s die Probleme nämlich wirklich nicht.

    Nimm mal ne Auszeit, mach mal 2 Wochen nix piratiges.
    Ja, auch Vorstände dürfen das. Wenn Du im Krankenhaus wärst, müsste es auch gehen.

    Und dann such Dir nen privaten Ausgleich. Sauna, Sport, Hobby, Kino, Tanz, flauschig, wisenschon…

    LG, don’t panic, alles wird gut.
    fx

    • Natürlich bin ich Teil des Problems, das habe ich ja auch geschrieben. Ich kann verdammt aufbrausend sein, aber ich möchte– vor allem im Piratenkontext– daran arbeiten, weil ich niemanden verschrecken oder zu Unrecht anblaffen will.

      Ich weiß, dass das Internet nicht nur aus Flauschedingern besteht. Aber wir sind genauso wenig das gesamte Internet wie wir nicht die komplette politische Landschaft oder die Gesellschaft abbilden. Ich finde die Unterscheidung zwischen „die Piraten im Internet“ und „die Piraten im RL“ insofern befremdlich, als dass es die selben Personen sind. Das Internet ist für mich (und ich glaube für einen Großteil der Piraten) nicht eine Abstrakte Box, in die man mal hineinschaut und in der man sich daneben benehmen kann. Es ist ein essentieller Teil meines Lebens, ein Ort, in dem ich entschieden zu viel Zeit verbringe und über den ein Großteil meiner Kommunikation, Information und Meinungsbildung läuft. Nur, weil wir über ein Medium (jaha, sehr breit gefasst) kommunizieren, in dem es usus ist, dass Andere sich daneben benehmen, heißt das noch lange nicht, dass wir damit einen Freibrief erhalten, einander wie Dreck zu behandeln. Ist nicht.

  8. Der Artikel spricht mir aus der Seele, und es ist toll zu sehen, dass es viele genauso sehen.
    Danke, dass du die Diskussion angeregt hast!

  9. Bin k e i n Pirat – habe daher kein/wenig (politisches) Mitleid ;)

    Ich finde den menschlichen Gefühlsausbruch aber gut, er tut Dir gut, er tut Deinen Freunden gut und er wird den PIRATEN gut tun. Ich bewundere Menschen, vor allen Dingen junge Leute, die bereit sind, im Wesentlichen sogar ehrenamtlich, sich für ihre Ideale einzusetzen. Im Umgang miteinander hapert es wohl noch an machnen Stellen, aber das Internet ist für das schnelle Zwitschern auch ein kleiner Verführer ;) Nicht erst Klicken und dann Denken, sondern umgekehrt. Wie oft ist mir das schon passiert…

    Euren Elan und Einsatz bewundere ich tatsächlich. “Kann” euch zwar im Moment nicht wählen,beobachte aber die ehrliche Arbeit insgeheim doch positiv. Vielleicht komme ich doch mal in die Situation, ein verstaubtes Kreuz (auf dem Wahlzettel) aufzufrischen?

    Sich nicht unterkriegen lassen will auch gelernt sein. Manchmal ist das Wie wichtiger als das Was. Und in dieser Hinsicht finde ich Deinen Beitrag aufrüttelnd beispielhaft :)

  10. Ich bin kein Pirat und habe euch in der letzen Wahl auch nur eine Stimme gegeben, aber macht weiter und lasst euch nicht zerkloppen!

  11. Liebe Lotte,

    zunächst mal find ich’s schade, dass Du Dich bei den Piraten gerade nicht wohlfühlst und wünsche Dir, dass sich das wieder bessert. Ich fand’s aber schon etwas befremdlich, eine Beschwerde über schlechtes Klima gerade von Dir zu lesen.

    Ich empfinde nämlich sonst gerade Deinen Tonfall als einen der ruppigsten bei den Piraten. Nimm einfach diesen Artikel hier als Beispiel:

    “mir reicht’s.”, “mich kotzt an”, “den Arsch aufreißen”, “jedem Schreihansel gesondert zu erläutern”, “was der Scheiß eigentlich soll”, “viele Piraten scheinbar im Deutschunterricht gepennt haben”.

    Ich bin mir sicher, du meinst das alles nicht böse, nur sorgt solche Sprache zumindest bei mir für schlechte Laune. Und trägt vielleicht im Konfliktfall mit jemand anderes auch gut zur Eskalation bei. A.k.a. der Spruch mit dem Wald und reinrufen.

    Und zum anderen glaube ich, wie man die Welt wahrnimmt, hängt wesentlich von einem selbst ab – und zwar meist mehr als man denkt. Ich hab mich mit dem Thema BGE nun sicher nicht mit einem unkontroversen Thema beschäfigt und es mehrfach offen bei den Piraten vertreten. Irgendwie isses mir gelungen, nie, wirklich nie dabei eine persönliche Beleidigung abzubekommen. Vielleicht hatte ich einfach Glück. Oder vielleicht hab ich’s auch einfach nur nicht gemerkt.

    “Assume Good Faith” fand ich damals ein tolles Motto, als ich noch bei der Wikipedia mitgemacht hab. Der Text ist wirklich gut und passt eigentlich aufs ganze Leben.. :)

    Viele Grüße,
    Jorges

    • Hallo Jorges,
      dass meine Sprache genau zu dem gehört, was ich kritisiere, ist mir bewusst. Mir ist auch bewusst, dass das problematisch ist, und ich überlege auch immer noch, wie ich daran arbeiten kann. Mein Blogpost war für mich vergleichbar damit, in einem Raum, in dem alle wild durcheinander reden noch lauter zu werden als die anderen und zu brüllen: „EEEY! KÖNNEN WIR ALLE MAL KURZ DIE KLAPPE HALTEN UND EINANDER ZUHÖREN?“
      Das ist genau entgegengesetzt von dem Verhalten, das man bezwecken will, aber manchmal Funktioniert’s. Es wäre mir auch lieber, wenn jeder seinen Nachbarn anstupsen würde und ihn bittet, etwas leiser zu sein.
      Der Punkt ist: Ich bin ein lauter Mensch. Mir wurde irgendwann beigebracht, um mich zu treten, um gehört zu werden. Das ist zuweilen sehr ungünstig und ich gebe mein Bestes mehr zu stupsen und weniger zu brüllen. Aber allein stupsen ist wenig wirksam und damit frustrierend. (Und ich habe das Gefühl, dass wir die Menschen, die eben nicht brüllen, oft überrollen) Ich will herausfinden, wie harmonischere Kommunikaton funktionieren kann (und wie das skaliert!), allerdings musste ich mir dafür einmal meinen Frust von der Seele schreiben (sonst knäuelt er sich auf. Das hatte den angenehmen Nebeneffekt dass sich herausstellte, dass ich mit diesem Frust nicht alleine bin…). Jetzt geht es an’s Alternativen sammeln und lernen (falls du da Tips hast, was ich googlen kann, würde ich mich sehr darüber freuen ;) ).

      „Assume good faith“ ist auch meiner Meinung nach ein tolles Motto, das ich soweit ich weiß auch angewandt habe. Genau deshalb war es für mich ja so frustrierend, irgendwann das Gefühl zu bekommen, dass mit dieser „naivität“ nicht weiterkomme. An dem Punkt, wo wir einander eine geheime Agenda unterstellen oder versuchen, unseren Punkt durchzu„hacken“ kann ich zwar immer noch davon ausgehen, dass die betreffende Person bei ihrem Handeln nur das Beste für die Partei im Sinne hat– aber sie nimmt dabei in Kauf, dass sie oder ihre Arbeitsweise Menschen verletzt.

      • Hi Lotte,

        Dein Vergleich mit dem Raum ist gut, zeigt er doch, wo die Unterschiede sind. In einem Raum geht tatsächlich eine leise Stimme durch einen Brüller unter, ein Uppercase-Schrei-Tweet dagegen lässt *nicht* unbedingt einen besonnenen, freundlichen Tweet verschwinden. Auch kann ich Tweets/Mails bestimmter Leute einfach ausblenden, das kann ich mit Stimmen in einem Raum nicht.

        Das ist eine Riesen-Chance, die sich da ergibt und ich merke selber letztens immer stärker, wie nützlich und auch wichtig das ist, den eigenen Input zu kontrollieren. Sobald ich jemanden als zu sehr unsachlich oder unkonstruktiv wahrnehme, entfolge oder filtere ich ihn. Dadurch kann ich die anderen, konstruktiven Stimmen (auch Gegenstimmen zu meiner Haltung) besser wahrnehmen, lerne so mehr – und hab bessere Laune.

        Die Alternativen ist also nicht nur Stupsen oder Brüllen. Du brauchst nicht jemand Unkonstruktives zum Besseren bekehren. Es gibt soviele konstruktive Menschen, die es zu finden und mit denen es zusammen zu arbeiten gilt. Und je mehr man von denen findet, desto Unbedeutender werden die Unkonstruktiven. So dass man sie letztlich vielleicht gar nicht mehr filtern muss, weil sie schon zu etwas exotischem, fast schon lustigem, manchmal gar bemitleidenswerten werden.

        Klar, auch bei guter Input-Kontrolle kann sich dann immer noch was Verletzendes dazwischen mogeln. Aber Dein Rechner ist nicht das einzige Filter-Tool. Ich glaube, man kann auch entscheiden, was die Wahrnehmung an die Gefühle weiterreicht. Nicht vollständig, aber meist mehr als man glaubt.

        Was man dazu lesen/googlen kann, hm, weiß ich gerade nicht.. Probier es einfach mal aus mit dem Filtern. :)

  12. Auch wenn es oben schon häufiger gesagt wurde, sag ich es nochmal:
    Danke, du sprichst mir aus der Seele!

    Ich würde den gern im Fullquote (natürlich plus Backlink) in mein Blog reintun. Darf ich?

  13. einfach mal twitter ausschalten….das problem an twitter ist, dass jeder meint er würde nur was ganz kleines sagen…sind ja nur 140zeichen….dabei müllt man jedem die timeline zu, und twitter wird unbenutzbar. die achso tolle schwarmintelligenz ist auf twitter eher eine dreckschleuder für #gates die alle in ihren sog zieht. auf facebook zb kann soetwas gar nicht entstehen, da zu den einzelnen themen kommentare angelegt werden können, die dann auch auf und zuklappbar sind. twitter ist für mich das schlimmste tool das die piraten je verwendeten.

  14. Liebe Lotte,

    vielen Dank für deinen Artikel, ich finde ihn sehr gut und kann dir in sehr sehr weiten Teilen zustimmen.

    Eine Rat kann ich dir aber geben: Schalt einfach mal Twitter ab und beschränke die auch MLs, Foren und was sonst noch so da ist. Du wirst sehen, auf einmal bekommst du mehr emails (das sind die Dinger mit vielen Zeichen *augenzwinker*) und – ja, wirklich – auch mal Anrufe. Am Telefon. Also echte DIALOGE, und nicht größtenteils parallelisierte MONOLOGE, wie sie Twitter so unvergleichlich effektiv bei Eskalationen macht.

    Twitter ist durch seine (an sich vollkommen sinnfreie) Beschränkung auf wenige Zeichen für Sinnvolle Kommunikation über kurze Statements nicht mal ansatzweise geeignet um Konflikte zu lösen.

  15. Lotte, das ist immer ‘ne Frage, wo man sich hinwendet.

    Du hast Bock, dich eine Stunde mit der Piratenpartei zu befassen:

    Entweder kursierst du in Twitter und im Forum und ärgerst dich über bescheuerte Posts – oder du nimmst dir irgend etwas inhaltliches bei der Piratenpartei und arbeitest es ein Stückchen weiter aus.

  16. Shitstormed die Shitstormer! Mal im ernst, wie lange seit ihr im Inernet unterwegs. Seit gestern? Füttert einfach nicht jeden Troll und lasst auch mal was unkommentiert dann läuft das auch wieder.

  17. Pingback: Sozialtheoristen » Mitmachen und Bessermachen

  18. Hallo Lotte und Piraten,

    bin kein Pirat, aber mir gefällt die Idee, die etablierten endlich wieder aufzumischen.

    Mit 46 bin ich wahrscheinlich weit außerhalb der Zielgruppe, habe aber vielleicht schon öfter die Grenzen von Demokratie-Bedürfnis und Mitsprache-Recht erlebt.

    Wer sich alte taz-Redaktions-Sitzungen und Versammlungen der Grünen ansieht, kann sich vorstellen, wie es derzeit in der wachsenden und aufstrebenden Piraten-Partei zugeht.

    Jeder will nicht nur mitreden, sondern mitbestimmen. Die jungen Piraten stellen gerade fest, dass das nicht geht. Die einen lernen daraus und akzeptieren diese Grenzen. Andere akzeptieren das nicht und benehmen sich wie ein kleines, beleidigtes Mädchen (oder Junge, um pol. korrekt .. igitt .. zu sein).

    Der Unterschied zu den taz- und Grünen-Versammlungen ist, dass die beleidigten Gören (die zwar überall mitbestimmen, aber nichts tun wollen) mit dem iPad auf der Couch sitzen und sich in jeden Pups einklinken können. Das macht es aufstrebenden Gruppen heute noch schwerer, als der taz und den Grünen früher. Damals musste man schon seinen Arsch in die Redaktion schwingen, um mitreden und motzen zu können.

    Ich glaube, dass die Situation der Piraten, auch aufgrund des Durchschnittsalters, ganz normal ist. G.B. Shaw sagte “Wer mit zwanzig kein Revolutionär war, hat kein Herz. Wer es mit dreißig noch ist, hat keinen Verstand” Ich wünsche Euch, dass Ihr aus den Erfahrungen der taz und Grünen lernt, dass Ihr oft auch kompromisslos und unmissverständlich entscheiden und sprechen müsst. Es gibt immer Leute, die dagegen sind. Immer – und aus Prinzip. Von diesen Trolls dürft Ihr Euch nicht fertig machen lassen.

    Irgendwann muss der Maler seinen Namen unter das Bild setzen. Punkt. Das muss auch ein Troll lernen.

    Macht weiter!

    Hans

  19. Pingback: URL

  20. Oh Mann, was für eine gequirlte Scheiße von einer frustrieten, mochtegernintellektuellen Piratin…
    Du kommst Dir echt total schlau und wichtig vor, dabei ist Dein Gelaber doch nur Schrott.

    Man nehme eine stinklangweilige, frustriete Person, Ring durch die Nase wie bei ner Kuh, 70er Jahre Eulenbrille dazu und ne blaue Nuttenperrücke, schon ist auch so einem öden Volk Aufmerksamkeit gewiss…

    Auch ADHS? Scheinbar!

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